Lehnert Walter

Geboren:
6.6.1923, Deutsch Krawarn
Verstorben:
17.2.2012,  Bornheim
Rang:
Leutnant

Der folgende Text wurde von Miroslav Herold verfasst.

Lehnert Walter wurde am 6.6.1923 in Deutsch-Krawarn (Hultschiner Ländchen) geboren. Er war der Sohn des Bürgermeisters von Deutsch-Krawarn und meldete sich 1941 freiwillig zur Wehrmacht. Sein Wunsch bei einer Elite-Eiheit zu dienen ging in Erfüllung und er wurde Angehöriger der Division Hermann Goring (später Falschirm-Panzer-Korps).

Nach seiner Ausbildung in Utrecht/Niederlande absolvierte er Offizierschule und diente später als Flak-Soldat im Führerhauptquartier in der Wolfsschanze in Ostpreußen. Inzwischen wurde seine Einheit im Rahmen einer Sonderkampfgruppe bestehend aus Teilen GD, HG und LSSAH and den Brennpunkten der Ostfront eingesetzt. So kam er zum Fronteinsatz bei Rshew, Sewastopol und Leningrad.

Wir zitieren aus seinen Memoiren: „Schwere Kämpfe machten wir auch im Frühjahr 1944 bei Narva (Kampfgruppe Böhrend). Jeden Morgen griffen uns betrunkene Massen russischer Soldaten an und blieben in unserem Feuer liegen. Dabei stellte ich fest, daß sich viele nur tot stellten und bei Einbruch der Dunkelheit wieder zurückzogen. Damit wollte ich ein Ende setzten. Als wieder nach einem Angriff unzählige Russen vor unserer Stellung lagen, packte ich ein MG, nahm zwei Gefreite mit und wir pirschten uns an die Russen heran. Du kommst mir morgen nicht wieder, sagte ich mir und alle die noch lebten machte ich nieder. So war es im Krieg, entweder du oder ich. Manche riefen noch „ja Kozak, ja Kozak“ aber ich konnte kein Erbarmen zeigen. Das war ja ein Feind und morgen konnte er mich töten.“

Zwischendurch war Lehnert Fahrer des Leibarztes von Adolf Hitler gewesen. Am 20. Juli 1944 hatte Lehnert das Attentat miterlebt: „Als die Bombe hochging, spielten wir gerade Tischtennis. Zuerst machten wir uns keinen trüben Gedanken, denn sehr oft trat eine Kuh im Außenbereich auf eine Mine. Dann gab es aber Alarm. Da ich den Adjutanten kannte, rief ich im Hauptquartier an und erfuhr von ihm, das auf den Führer Attentat verübt wurde. So war ich kenntnis lange bevor es Wachmannschaft draußen erfahren hatte. Kurz darauf erhielten wir den Befehl, Graf von Stauffenberg zu verhaften und beim Wiederstand zu erschießen. Während dessen flog ich u.a. als Beobachter in einem Fieseler Fi 156 Storch Aufklärungsflüge uber Gebiet um die Wolfschanze.“

Im Herbst 1944 wurde Lehnert mit seiner Einheit in die Führer-Begleit-Brigade unter Kommandeur Oberst Otto Ernst Remer eingegliedert. Als Zugführer im Führer-Flak-Regiment, das dem II. (schnellen) Bataillon/Panzer-Grenadier-Regiment FBB von Eichenlaubträger Major Hubert Mickley unterstellt war, hat der inzwischen zum Leutnant beförderte Walter Lehnert an der Ardennenoffensive, bis zu seiner schweren Verwundung durch Fliegerbombe (29.12.1944) teilgenommen.

Bei der Ardennenoffensive war die Brigade zunächst Reserve der 5. Panzerarmee, vom 22. Dezember bis 31. Dezember 1944. In dem Zeitraum beteiligte sie sich an dem Angriff bis in den Raum nordöstlich Bastogne.

Nachstehend Lehnerts Tagebuchaufzeichnungen, die einen guten Überblick über die Gefechte während der Ardennenoffensive vermitteln:

9.12.44

Seit einer Woche bereiten wir uns auf den kommenden Einsatz vor, in dem Waffen, Gerät und Fahrzeuge noch einmal überprüft werden. Es gilt, bereit zu sein, fur den unter Führung von Oberst Remer zu führenden entscheidenden Schlag gegen den westlichen Gegner.

11.12.44

Gegen 23:00 h überraschend Chefbesprechung. Anschließend werden die Zugführer informiert, daß Batterie um 16:30 h des folgenden Tages marschbereit sein muß.

16.12.44

Am Tag des Beginns Entscheidungsschlacht im Westen rollen wir in beschwerlichem Nachtmarsch über Prüm durch die Eifel in Richtung Schönberg. Am Ortseingang versuchen eingekesselte amerikanische Einheiten unsere vormarschierenden Verbände zu zersprengen. Wie ich nach dem ersten Zusammenstoß mit US-Einheiten von gefangenen Amerikanern hörte, hat man einen derartigen Feuerzaube nicht erwartet. Eine Stunde nach der Feindberührung traten mehrere Tausend Amis den Weg in die Gefangenschaft an. Spät in der Nacht geht es im Verband des Pz.Rgt. Remer (richtig: Pz.Rgt. FBB) über Walleroder Mühle durch schweres Ari-Feuer nach Medell. Weitermarsch nach Amel – Deidenberg – Born. Hier 3 Tage Luftschutzstellung bis zum Fall von St. Vith, das wir tagelang brennen sahen.

24.12.44

Am Weihnachtsabend gegen 19:00 h erreicht uns der Befehl zum Weitermarsch über St. Vith – Krombach – Bochholz – Bowies nach Petit-Langlier. Mehrstündige Rast in einem kleinen Wald.

25.15.44

Um 17:00 h Weitermarsch: Über Mont le Ban – Dinez nach Les Tailles und weiter nach Baraque den Fraiture. In Laroche überschreiten wir die Ourthe. Ich führe bis Hadister. In Chenogne beziehen wir in der Nacht zum.

26.12.44

Luftschutzstellug. Wir werden mit schweren Ari-Feuer eingedeckt, haben jedoch keine Verluste. Die Kampfgruppe Remer greift an und in den Mittagsstunden herrscht wieder Ruhe. Mir fallen die Augen zu, weiss ich doch nicht, wann ich in der letzten Woche einmal geschlafen habe…

Wir erhalten Auftrag, uns in Richtung Bastogne zu bewegen. Nach einer beschwerlichen Fahrt über Tenneville Einsatzraum: Den großen Kessel von Bastogne.

Ca. 50 000 Amis werden hier seit geraumer Zeit aus der Luft versorgt und hindern auf diese Weise unseren Vormarsch. Am 2. Weihnachtstag beziehen wir Morgengrauen südostlichwarts von Bastogne in der Nähe von Chenogne Stellung in einem Wald, der als Panzerriegel ausgebaut ist. Wir von den „Weißen Spiegeln“ haben hier Haupanteil. Wir graben uns ein und warten…

Am nachmittag sprenge ich mit einem kleinen Stoßtrupp mehrere Lastensegler der Amerikaner, die nachts gelandet waren. Sie waren voll mit Artilleriemunition geladen. Gegen 17:00 h wird Segré von uns eingenommen. Zur gleichen Zeit stoßen jedoch mehrere Feindpanzer weiter nach SW vor und nehmen Fosset ein, das nur von zwei 2 cm Kanonen von uns gehalten wurde.Gegen 17:40 h ist unser Waldstück dran! 20 und mehr Panzer kommen von der unserer Stellung gegenüberliegenden Höhe den Hang hinunter auf uns zugerollt. Die Riesen rollen immer näher. Wo ist denn unsere Achtacht? Die Hände der Männer um ich herum krallen sich um die Panzerfäuste, als uns ein unerhörter Feuerzauber überfällt. Um uns ist die Hölle los. Mitten im Feuer fallen irgendwo in meiner Nähe dennoch witzige Bemerkungen. Es muß ein Berliner gewesen sein! Der Waldboden scheint zu glühen, aber unsere Gräben halten. Eine volle Stunde – eine unendliche Zeit – presse ich meinen Stahlhelm immer wieder an einen Baumstamm, während ich von Loch zu Loch springe, um nach den Männern zu sehen. In die Reichweite unserer panzerbrechenden Waffen traut sich der Ami allerdings nicht, er liebt die Distanz.

Eine 8,8 cm der 1. Batterie schaltet einen Panzer und einen Spähwagen aus. Als der Feind nach dem Feuerhagel immer noch Leben im Wald wittert, fordert er beziehungsweise leitet er von einem Panzer aus Artilleriefeuer auf uns. Bis 19:00 h dauert das Höllenfeuer an, dann ziehen sich die Panzer zurück.

Ich laufe sofort die Züge ab und muß mir melden lassen, daß wir 3 Tote haben. Es fielen Oberwachtmeister Hans Thiemann, Wachtmeister Jan Janssen und Sonnhalter. Einige Männer haben leichtere Verwundungen davongetragen. Unser Funkwagen ist durch Bomben ausgefallen. Die Nacht wird unruhig, Segré brennt einen halben Kilometer vor uns. Die Männer verbessern ihre Schützenlöcher oder graben neue. Sie sind stumm geworden. Einige bleiben trotzt kleinerer Verwundungen bei uns.

Am 28.12.44

kommt dicker Nebel auf und wir hoffen, daß der Feind bei dieser schlechten Sicht nicht angreifen wird, um seinen Kessel zu vergrößern. Gegen 10:00 h erreicht mich die Meldung, daß sich halblinks von unserer Stellung etwa 50 – 60 Panzer versammelt haben – im Schutze des Nebels. Sie teilen sich und greifen alle unser Waldstück an. Als die ersten Kampfwagen in Reichweite unserer 8,8 cm Kanonen sind, jagen ihnen unsere Granaten entgegen. Ein Koloß brennt in wenigen Sekunden. Die Besatzung wird von der 3,7 cm fertig gemacht. Indessen haben jedoch die Lauerpanzer das Mündungsfeuer unserer Stellungen ausgemacht und ide Achtacht ordentlich eingedeckt. Beide Kanonen fallen aus. Der Angriff wurde abgewehrt – es folgen bald neue. Mein Freund Leutnant Harry Fiedler ist gefallen. Der Gegner setzt alles dran, aus dem Kessel auszubrechen. Amerikanischer Infanterie gelingt es schließlich im Morgengrauen unser Wäldchen zu erreichen. Auf einem Kontrollgang durch die Gräben peitscht es mir bedenklich um die Ohren. Ich kann nur noch von Trichter zu Trichter springen, um nicht getroffen zu werden. Meinem Melder schicke ich zum Chef zurück und ich selbst gehe einigen Stimmen nach. Hinter dem Wald stoße ich auf Teile der 1. Batterie, die im Chor „Oberleutnant Wilk zurück!“ rufen. Augenblicke später tauchen auch schon die ersten Zugmaschinen auf. Wir suchen im Dorf Deckung. Oberst Remer organisiert den Rückzug aus dem schützenden Waldstück. Nach kurzer Einweisung – ich habe Janssens Zug übernommen – gehe ich mit meinen Geschützten in Stellung. Nachdem ein Spähtrupp festgestellt hat, daß der Feind sich aus dem Wald wieder zurückgezogen hat, weise ich ide 6. Batterie in unsere alten Stellungen ein. Der Ami liebt es, nachts in Dörfern zu sein, der Wald ist ihm nicht ganz geheuer. Ich kontrolliere die Tarnung der Geschütze, weise den Männern – soweit dies möglich ist – eine warme Bude zu und finde mich gegen 22:00 h auf meinem Mantel zwischen den Jungs des 1. Zuges.

29.12.44

Es ist ein klarer Wintertag. Heute wollen wir unsere Toten begraben. Während wir die Männer zu begraben versuchen, bekämpft ein Feldwebel aus einem Sturmgeschütz neben uns mit MG zwei feindliche Jagdbomber. Es kreisen stets 10 – 15 Stück über uns und wir müssen uns höllisch vorsehen. Ein Jäger greift immerwieder das gut getarnte Sturmgeschütz neben einem meiner Geschützte an. Er bekommt zwar ordentlich MG-Feuer, reagiert jedoch nicht darauf. Bei einem weiteren Anflug in nur ca. 5-6 m Höhe über dem Boden – jeder von uns sucht so gut er kann eine geeignete Deckung – stürzt ein Jabo förmlich auf das Sturmgeschütz ohne zu schießen und plötzlich brennt das Sturmgeschütz, das in unmittelbarer Nähe meine ersten Geschützes auf Selbstfahrlafette steht. Ich stürze auf unser Geschütz zu und reiße die brennenden, zur Tarnung gedachten Strohmatten vom Fahrzeug und fahre die Zugmaschine in ein etwa 100m entferntes Waldstück. Das heißt: ich wollte es fahren. Vom Kühler, auf dem ebenfalls Stroh lag, schlagen mir die Flammen ins Gesicht, der Beifahrersitz brennt bereits. „Unter den Sitzen ist Benzin“ schießt es mir isn Gehirn! Mit Mütze und Handschuhen kann ich während der fahrt das feuer löschen. Am Waldrand springe ich ab, um mich um das zweite Geschütz zu kümmern. Ein Jabo muß  unsere Operation beobachtet haben. Die Bergung der zweiten Maschine habe ich nicht mehr bewußt erlebt, denn eine Napalm-Bombe schlug in meiner unmittelbaren Nähe ein und ich erfuhr erst nach mehreren Stunden in einem Haus, in das mich mein ehemaliger Zugführer und späterer Spieß Willi Klostermann, gebracht hat. Die Kanone wurde nicht getroffen, aber mich mußte man mit einer bösen Verletzung hinter die Linien bringen. In der Nähe von Assenois und Hompré war die Ardennenoffensive für mich zu Ende.

Nach Genesung wurde Lehnert mit Teilen seiner Einheit nach Sölden in die sog. „Alpenfestung“ verlegt. Dort schoß er zwei Sherman-Panzer mit Panzerfaust ab. Nach dem Krieg geriet Walter Lehnert in amerikanische Kriegsgefangenschaft. „Im Kgf-Lager Bad-Aibling wurde ich von einem Zivilist verhört. Es handelte sich um einen deutschen Auswanderer. Er schreit mich auf Deutsch an „Sie sind Schuld, daß Juden ermordet wurden!“ Dabei reißt er mir meine Schulterklappen ab. Das war zuviel für mich, so eine Demütigung! Ich mache jetzt Etwas, was mir später keiner richtig glauben wollte. Ich verpasse dem Typ einen Faustschlag, daß er Salto rückwärts macht. Er fängt an zu schreien und die Amis stürzen rein. Ich erkläre ihnen den Vorfall und werde seitdem gut behandelt. Später kann ich einen Brief an Leutnant Lehmann rausschmuggeln. Er schreibt daraufhin an den US-Lagerkommandanten, daß ich ein guter und anständiger Soldat gewesen bin und er verbürgt sich für mich. Im Marz 1946 komme ich frei und da in meine gestohlene Heimat keine Rückkehr mehr möglich ist, bleibe ich für immer in Deutschland.“

Walter Lehnert wurde insgesamt 6 Mal verwundet.

Gestorben am 17. Februar 2012 in Bornheim.

Er ist der Bruder von Ernst Lehnert.

Auszeichnungen:

  • Eisernes Kreuz 1. Klasse
  • Eisernes Kreuz 2. Klasse
  • Erdkampfabzeichen der Luftwaffe
  • Flakkampfabzeichen der Luftwaffe
  • Verwundeten-Abzeichen in Gold
  • Schützenschnur der Luftwaffe

 

Ostern 1943 in Deutsch-Krawarn. Links Walter Lehnert, in der Mitte sein Bruder Ernst (gefallen 3.7.1943 in Munsterlager).

 

Weihnachtsfeier 1943-44 von HG Angehörigen im Führerhauptquartier in Ostpreußen. Vorne links Obergefreiter Heber, rechts Unteroffizier Stier.

 

2 cm Flak-Geschütz auf Fahrgestell des Sd. Kfz. 70 (Pkw-Model mit abklappbarer Waffenbühne) in der Wolfsschanze, Sommer 1944.

 

Walter Lehnert in 1944.

 

2 cm Flak-Geschütz der 5. (Fla)Kompanie/Führer-Flak-Regiment, Schütze K 1 Ernst Lindenmann aus Sachsen.

 

2 cm Flak-Geschütz auf Fahrgestell des Sd.Kfz 11 (3 t Zugmaschine) des Zuges von Walter Lehnert.

 

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